Steckbrief

Name: Helmut Ritter

Beruf: staatlich geprüfter Betriebstelefonist
Familienstand: in festen Händen :-)
Hobbys: meine Süße. *g* – Daneben interessiere ich mich für alles in Sachen Computer und Internet, medizinische und wissenschaftliche Neuheiten, Rock- und Popmusik, Unterhaltungsliteratur im Allgemeinen, satirische Kurzgeschichten im Speziellen, (Fernseh-)Krimis und Formel 1.

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Meine Kindheit

Am 5.12.1964 erblickte ich in Andelsbuch (Bregenzerwald) als fünftes von acht Kindern das Licht der Welt. Ich durfte die Zeit meines Vorschulalters sorgenfrei verbringen, denn ich wusste noch nicht, dass mich eine Netzhauterkrankung im Verlauf von einigen Jahrzehnten meines Sehvermögens berauben würde. Ich war zwar damals schon kurzsichtig, aber das konnte durch eine Brille weitgehend kompensiert werden. Zwei meiner vier Brüder traf dasselbe Los – leider ist der Ältere der beiden 1977 mit 19 Jahren an Leukämie gestorben.

Schulische Laufbahn

1971–1975 besuchte ich die Volksschule in Andelsbuch. Trotz meiner Kurzsichtigkeit konnte ich mich an allen erdenklichen Aktivitäten beteiligen. Auf der sportlichen Seite bevorzugte ich Radfahren, schwimmen, Fußball und Skifahren.

Übrigens wollte ich den Zeitpunkt meines Schuleintritts vorverlegen, doch ich hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht – im wahrsten Sinne des Wortes ... Doch das ist eine andere Geschichte, die im Artikel "Mein allererster Schultag – wahrscheinlich der wichtigste Tag in meinem Leben" nachzulesen ist.

1975–1979 absolvierte ich die Hauptschule in der Nachbargemeinde Egg. Während dieser Zeit spürte ich erstmals eine deutliche Verschlechterung meines Sehvermögens, denn ich konnte beim Abschreiben von der Tafel nicht mehr mithalten (von Spicken ganz zu schweigen). Ich hatte jedoch lauter verständnisvolle Lehrer und Banknachbarn, die mir alles diktierten.

Die Diagnose

Im Frühjahr 1979 wurden meine Augen zuerst im Landeskrankenhaus Feldkirch und dann im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien (AKH) gründlich untersucht und eine progrediente Zapfen- und Stäbchendystrophie (Makuladegeneration) diagnostiziert (siehe Sehbehinderungs-Simulator des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin auf http://www.absv.de/sbs/sbs_intro.html). Dieser Befund und die Prognose, dass ich langsam erblinden würde, ließen all meine Berufsträume wie Seifenblasen zerplatzen, denn ich hatte mittlerweile ein Faible für Elektronik und Mechanik entwickelt. Mir blieb also nichts anderes übrig, als die Flucht nach vorne anzutreten.

Meine Ausbildungszeit

Im Schuljahr 1979/80 besuchte ich im Bundes-Blindenerziehungsinstitut (BBI) in Wien den Umschulungskurs und lernte Blindenvoll- und -kurzschrift sowie Maschineschreiben. Mein Sehvermögen erlaubte es mir damals noch, die Brailleschrift mit den Augen zu lesen, wenn Sonnenlicht von der Seite her auf das Papier fiel.

Anschließend, im Schuljahr 1980/81, absolvierte ich, ebenfalls im BBI, mit gutem Erfolg die Ausbildung zum staatlich geprüften Betriebstelefonisten. Inzwischen hatte ich die Leichtathletik als sportliches Betätigungsfeld für mich entdeckt und konnte im Frühling 1981 bei den Wiener Meisterschaften im Versehrtensport in den Disziplinen 60-Meter-Lauf, Ballweitwurf, Kugelstoßen und Weitsprung mit Anlauf jeweils den 1. Platz belegen.

Der "Ernst des Lebens"

Kurz vor Ende der Ausbildung arbeitete ich von Mitte Mai bis Mitte Juni in einem Nachbarort von Wien bei einer Textilhandelskette als Urlaubsvertretung in der Telefonzentrale, und seit 1. August 1981 bin ich beim größten Vorarlberger Energieversorgungsunternehmen in Bregenz als Betriebstelefonist beschäftigt. Dort verfüge ich über eine PC-gesteuerte Telefonanlage.

Veränderungen in der Freizeitgestaltung

Zwischen Anfang und Mitte der 80er-Jahre registrierte ich erstmals geringfügige Ausfälle im zentralen Gesichtsfeld und zunehmende Nachtblindheit. Deshalb musste ich aus Sicherheitsgründen das Radfahren aufgeben. Dafür ging ich im Sommer öfter schwimmen und im Winter langlaufen. Im Skilanglauf für Blinde konnte ich zweimal den Vorarlberger Vizemeistertitel erringen.

1983–1989 frönte ich meiner musikalischen Leidenschaft als Schlagzeuger, Texter und Komponist und spielte nacheinander in vier Softrockbands, leider nur mit mäßigem Erfolg. Das Musizieren war so zeitaufwendig, dass ich meine sportlichen Aktivitäten einstellte. Nach ein paar Jahren bekam ich allerdings zu spüren, dass laute Musik nicht besonders zuträglich für das Gehör ist (Rumpeln in den Ohren bei hochfrequenten Geräuschen wie Applaus oder wenn jemand mit Papier raschelt), und steckte die Schlagzeugstöcke endgültig in den Köcher zurück – offenbar noch rechtzeitig, denn das "Rumpeln" war bald darauf verschwunden.

Meine Ehrenämter

Von Anfang Februar 1993 bis Ende April 2004 arbeitete ich in der Vereinsleitung des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Vorarlberg (BSVV) mit und war unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Während der gesamten Zeit ihres Bestehens (1996–2014) war ich Landesfachgruppenleiter für Vorarlberg der Fachgruppe für Telekommunikation und Büroberufe (FGTB) des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Österreich und übernahm Anfang 2008 zusätzlich die Projektgruppe Technik für Blinde.

Weitere Umstellungen

Die intensivsten Sehverschlechterungsschübe – begleitet von zunehmender Blendempfindlichkeit – stellten sich ab Mitte der 90er-Jahre ein; deshalb machte ich fortan den weißen Langstock zu meinem ständigen Begleiter.

Im Mai 1999 brach auch für mich das Computerzeitalter an. Ich wurde genau ein Jahr zuvor von meinem Vorgesetzten beauftragt, mich darüber "schlau" zu machen, was ich für die Bedienung eines PCs benötige. Das kam mir zugute, denn so konnte ich nach einigen Testläufen mit verschiedenen Screenreadern und Braillezeilen das Produkt auswählen, mit dem ich als Anfänger am besten arbeiten konnte. Zunächst war der Computer für mich ein Buch mit sieben Siegeln, doch ich versuchte, so unbefangen wie möglich an die neue Materie heranzugehen. Durch meine Freude am Tüfteln habe ich den Umgang weitgehend autodidaktisch erlernt und nach zwei Jahren auch einen privaten PC angeschafft.

Ein kleines Stück Privatleben

Ich habe Ende November 2005 in Wolfurt (nahe Bregenz) eine gebrauchte 4-Zimmer-Wohnung mit Balkon gekauft, die ich zusammen mit meiner sehenden Freundin (seit Ende August 2013 meine Frau) ausgesucht, renoviert und eingerichtet habe. Ein echter Hingucker im Wohnzimmer – sowohl für Sehende als auch für Blinde – ist das Fühlbild "Sonnenaufgang", angefertigt von der Bonner Künstlerin Annette Schwindt. Darüber hinaus habe ich Trainingsstunden für Orientierung und Mobilität und lebenspraktische Fertigkeiten (O&M und LPF) genommen, um neben Kuchenbacken auch andere Hausarbeiten zu erlernen (*grins*) und mich an meinem neuen Wohnort weitestgehend ohne fremde Hilfe zurechtzufinden.


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Zuletzt aktualisiert am 4.12.2016
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