"Goldene" Verhaltensregeln für den Umgang mit blinden Menschen

Du bist unter anderem auf der Suche nach Tipps, wie du blinde Personen, aber auch dich selbst und andere Verkehrsteilnehmer, gefährden oder wenigstens irritieren kannst? – Dann bist du hier goldrichtig! Im Laufe der Jahre habe ich diesbezüglich einige Erfahrungen sammeln dürfen, und es kommen immer wieder neue dazu. Für eventuelle Schäden oder Nebenwirkungen, die beim Ausprobieren entstehen können, übernehme ich selbstverständlich keinerlei Haftung! Dafür liefere ich zu jeder Szene Tipps, wie man's richtig machen kann.

  1. Wenn du dich mit einem Blinden unterhältst und Wert darauf legst, dass seine Aufmerksamkeit auf dich gerichtet bleibt, dann positioniere Deinen Mund möglichst nah an seinem Ohr, leite jeden Satz mit einem leichten Stoß gegen seinen Oberarm ein, und bei jeder zu betonenden Silbe zupfst du an seinem Ärmel. Sollten keine Ärmel vorhanden sein, beispielsweise an einem heißen Sommertag, dann kannst du auch mit einer Fingerspitze gegen das Brustbein Deines Gesprächspartners tippen oder ihn sanft in die Seite kneifen. –
    Und so wird's richtig gemacht!
  2. Wenn du beobachtest, wie ein Blinder in seinem Essen herumstochert (deiner Vermutung nach auf der Suche nach einem Stück Fleisch), dann packe wortlos seine entsprechende Hand und spieße mit seiner Gabel eins der begehrten Objekte auf. Sollte der Blinde es wenigstens schaffen, mit der Gabel seinen Mund zu finden, dann tue deine Bewunderung kund – ja, auch Blinde brauchen Lob und Anerkennung! Wenn er es hingegen beim ersten Anlauf schafft, dir ein Auge auszustechen, dann handelt es sich in aller Regel um einen Zufallstreffer. –
    Und so wird's richtig gemacht!
  3. Wenn du dich mit dem Auto einem Zebrastreifen näherst und dort eine blinde Person erblickst, die wahrscheinlich die Straße überqueren möchte, dann bleibe 10 bis 20 Meter vorher stehen und drücke mehrmals kurz auf die Hupe, sobald du erkennst, dass die blinde Person die Straßenseite wechseln kann – wenn sie sich ein bisschen beeilt. Beim Ausfall des Sehvermögens schärfen sich bekanntlich die verbliebenen Sinne; somit können die meisten Betroffenen Gedanken lesen. Solltest du an ein Telepathie-resistentes Exemplar geraten, dann zeige ihm einen Vogel, lege einen Kavalierstart hin und rausche hupend an ihm vorbei. –
    Und so wird's richtig gemacht!
  4. Du begegnest auf einem schmalen Gehsteig einem Blinden, der mit seinem Langstock pendelt und dich somit daran hindert, an ihm vorbeizukommen, ohne die Fahrbahn zu betreten. Verleihe deiner Stimme einen entsetzten Klang und rufe: "Halt, Sie befinden sich auf der Straße!" – Natürlich wird er sofort anhalten und verunsichert deine Aussage überprüfen. Jetzt kannst du auf dem Gehsteig an ihm vorbeihuschen, und wenn du schnell genug bist, wirst du auch nicht mehr hören, welche "netten" Worte er für dich übrig hat. –
    Und so wird's richtig gemacht!
  5. Die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist aus verschiedenen Gründen für blinde Menschen eigentlich nicht zumutbar, dennoch gibt es viele, die diese Herausforderung annehmen und an Bord gehen wollen! Wenn du – nehmen wir an, in einer alten S-Bahn-Garnitur – zufällig Zeuge eines solchen Ereignisses wirst, dann ist schnelles Handeln von dir gefordert, ganz egal, ob der Blinde mit oder ohne Begleitung einsteigen will: Packe ihn, wenn er nach einem Haltegriff tastet, mit beiden Händen unter den Achseln und befördere ihn mit einem Ruck die paar Stufen hinauf! –
    Und so wird's richtig gemacht!
  6. Du bist Busfahrer und fährst eine Doppelhaltestelle an. Beim Haltestellenschild, das sich auf halbem Weg der Busbucht befindet, steht ein Blinder, den du kennst, weil er seit Jahren fast täglich mitfährt und sich hier somit bestens auskennen muss. Du kannst also getrost erst am vorderen Ende der Busbucht anhalten und nach wenigen Augenblicken weiterfahren, wenn der Blinde nicht sofort nach vorne zum Einstieg kommt. –
    Und so wird's richtig gemacht!
  7. Wenn du zu Fuß unterwegs bist und einen Blinden an einer Bushaltestelle siehst, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er die Straße überqueren will (Blinde tun das ja an den unmöglichsten Stellen!). Warte also eine Verkehrslücke ab, nimm ihn am Arm und sage: "So, jetzt können wir rüber!" – Wundere dich aber nicht, wenn er sich aus Deinem Griff befreit; Blinde können nämlich recht eigenwillig sein! Sollte er behaupten, auf den Bus zu warten, weise ihn höflich, aber bestimmt darauf hin, dass das Haltestellenschild einige Meter weiter hinten steht, und lasse erst locker, wenn er dir glaubhaft versichert hat, dass er hier ortskundig ist. –
    Und so wird's richtig gemacht!
  8. Du näherst Dich mit dem Fahrrad einer Kreuzung; vor dem Zebrastreifen hat ein Auto angehalten, um einer blinden Person das Überqueren zu ermöglichen. Nutze die Reaktionszeit des Blinden und flitze noch schnell an ihm vorbei, indem du das Auto rechts überholst und auf gar keinen Fall die Klingel betätigst! Diese Vorgangsweise ist allerdings nur mit gut geölter Kette zu empfehlen, denn wenn sie vor lauter Rost quietscht, könnte der Blinde erschrecken und dir versehentlich seinen Langstock in die Speichen stecken! –
    Und so wird's richtig gemacht!
  9. Wenn dir ein Blinder entgegenkommt, den du kennst und daher grüßen möchtest, gleichgültig, ob du zu Fuß oder auf dem Fahrrad unterwegs bist, dann vermeide zunächst jegliche Geräuschentwicklung, um seine Konzentration nicht zu stören. Grüße ihn erst, wenn du dich mit ihm auf gleicher Höhe befindest, und das möglichst laut, damit er dich auch ganz sicher erkennt! –
    Und so wird's richtig gemacht!
  10. Du bist auf der Suche nach einem Parkplatz, was in dicht besiedelten Gebieten ein schwieriges Unterfangen darstellt und in vielen Fällen sogar auch noch Parkgebühren kostet. Um Zeit und Geld zu sparen, stellst du dein Auto am besten auf den Gehsteig, und zwar so, dass nachkommende Fahrzeuge dir nach Möglichkeit nicht den Kotflügel abfahren – Fußgänger und Rollstuhlfahrer sowie Mütter mit Kinderwagen können ja auf der Fahrbahn um dein Auto herumgehen! –
    Und so wird's richtig gemacht!
  11. Wenn du zufällig Zeuge wirst, wie sich ein Blinder auf dem Gehsteig einer Straßenkreuzung nähert, dann stell dich ihm in den Weg, strecke einen Arm aus, lasse den Blindgänger mit seiner Brust gegen deine Faust laufen und rufe laut: "Halt, eine Kreuzung!" – Wundere dich aber nicht, denn auch Blinde haben mitunter Reflexe! –
    Und so wird's richtig gemacht!
  12. Das Treppensteigen stellt für Blinde eine ganz besondere Herausforderung dar, zumal jede Stufe eine Stolperfalle ist! Zögere also nicht, sondern handle, wenn du einen Blinden siehst, der sich mangels eines Liftes anschickt, sich in diese Gefahr zu begeben: Greife aus der Menge einen kräftigen Burschen, dann packt ihr den Blinden von links und rechts an seinen Oberarmen und hievt ihn treppauf. Ihr werdet staunen, wie dankbar er euch dafür ist! –
    Und so wird's richtig gemacht!
  13. Wenn du zu Fuß unterwegs bist und einen Blinden bei einem Zebrastreifen siehst, dann ist grundsätzlich Gefahr im Verzug! Stelle keine Fragen, sondern packe ihn knapp oberhalb des Ellbogens und kralle die Finger fest in seine Armbeuge, damit er dir nicht entwischen kann! Sein wehleidiges Gehabe kannst du getrost ignorieren; schiebe ihn einfach vor dir her über die Straße. –
    Und so wird's richtig gemacht!

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Zuletzt aktualisiert am 27.12.2010
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