Briefe an den Küchenchef

Mein Brötchengeber hat 1988 ein Betriebsrestaurant eingerichtet, das mich aufgrund des dort herrschenden Wirbels zwar nicht zum längeren Verweilen einlädt, dafür wird jedoch eine ausgezeichnete und abwechslungsreiche Küche geboten.

Die Wortwahl im wöchentlichen Menüplan führt bei mir gelegentlich zu skurrilen, aber auch netten Assoziationen, die ich hier in Briefform darlege. Ob ich den Küchenchef mit diesen Briefen eines Tages persönlich beglücken werde, weiß ich noch nicht ... *grins*

Betrifft: Zigeuner Spieß

Lieber Franz,
beim Walliser Brätschnitzel und beim Szegediner Gulasch ist die Herkunft leicht herauszufinden, doch am Zigeuner Spieß bin ich kläglich gescheitert; meine Nachschlagewerke lassen mich da völlig im Stich! Aus dieser Not heraus stelle ich nun die Frage an Dich: Wo ist Zigeun?

Herzlich grüßt

Helmut

Betrifft: Gebackene Schweinskotelette

Lieber Franz,
heute bietet Ihr ja eine gebackene Schweinskotelette mit Kartoffelsalat an. Bevor ich mich da auf ein Experiment einlasse, möchte ich wissen, wie so etwas schmeckt. Die Panade ist klar – wie beim Wiener Schnitzel. Wie ist es aber mit dem Inhalt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Backenbart der Spezies "Sus scrofa domestica biobaueri" mundet!

Selbst wenn der Konsum von panierten Schweineborsten gesund sein sollte, ist mir ein gebackenes Schweinskotelett lieber!

Herzlich grüßt

Helmut

Betrifft: Zuckerhutsalat u. Ä.

Lieber Franz,
ohne Rücksicht auf Gelüste ist in jedem Eurer Menüpläne Endiviensalat zu finden, und jeden Herbst gesellt sich ein noch bitterer Verwandter dazu: der im Betreff genannte Zuckerhutsalat. Ersteren mochte ich schon als Kind nicht, da seine Bitterstoffe meine Geschmacksknospen gar sehr strapazierten – woran sich bis heute nichts geändert hat. Letzterer hat seinen Namen wohl deshalb, weil ein ganzer Zuckerhut benötigt wird, um ihn genießbar zu machen – dachte ich zumindest bis vor kurzem. Nun habe ich im Netz der Netze recherchiert und herausgefunden, dass es die Form ist, die zu dieser Namensgebung geführt hat. Dass dieses Blätterzeugs zu den Korbblütlern gehört und damit verwandt mit Astern und Kletten (!) ist, hat mein Verhältnis zu Endivien- und Zuckerhutsalat nicht gerade verbessert.

Trotz allem habe ich einen Korbblütler gefunden, der nicht nur als Vogelfutter taugt, sondern auch mir ausgezeichnet schmeckt, vor allem in Brot und auf dessen Rinde: die Sonnenblume, respektive deren Kerne.

Herzlich grüßt

Helmut

Betrifft: Arme Ritter

Lieber Franz,
diesmal habe ich nichts zu meckern, obgleich es auch hier um eine Kindheitserinnerung geht – eine positive:

Jedes Mal, wenn es bei Euch "Arme Ritter" gibt (leider nur ganz selten), erscheint vor meinem geistigen Auge eine Rückblende in die frühen 1970er-Jahre: Meine Oma mütterlicherseits steht am Herd und macht Apostelbrocken – so nennt sie die Armen Ritter. Dazu gibt es heißen Apfelstock, dessen Konsistenz irgendwo zwischen Apfelkompott (ohne Saft) und Apfelmus einzuordnen ist, mit viel Zimt drauf.

Vielleicht könnt Ihr bei Gelegenheit auch einmal Apfelstock zu den Armen Rittern servieren? Das schmeckt ausgezeichnet!

Herzlich grüßt der nicht so arme Ritter Helmut

Betrifft: Curry vom Edelfisch

Lieber Franz,
als ich zum ersten Mal "Curry vom Edelfisch" probierte, war von Curry kaum bis gar nichts zu schmecken. Gewundert habe ich mich nicht wirklich darüber, ich war ja ohnehin erstaunt, dass ein Fisch in der Lage sein soll, ein pflanzliches Gewürz zu produzieren.

Um doch noch in den Genuss dieses geheimnisvollen Gewürzes zu kommen, kaufte ich auf dem Fischmarkt etliche Edelfische und ließ sie bei einem Bekannten in dessen Dörrofen trocknen.

Als sie schon beinahe zu Staub zerfielen, schnupperte ich vorsichtig daran – nichts, kein Stäubchen Curry zu riechen!

Nachdem ich den Niesanfall (wegen der Staubwolke) überstanden hatte, schenkte ich die Fische meinem Bekannten fürs Aquarium ...

Frage: Was ist da falsch gelaufen?

Herzlich grüßt

Helmut

Betrifft: Gedeckter Apfelkuchen

Lieber Franz,
heute trete ich mit einer Frage in Gedichtform an Dich heran:

Gedeckter Apfelkuchen

Glaub mir, diesen Apfelkuchen
möcht ich nur allzu gern versuchen,
doch da es ein "gedeckter" ist,
will man wissen, was man isst.
Wird aus ihm ein Nachwuchs schlüpfen
und mir am End vom Teller hüpfen?

Herzlich grüßt

Helmut


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Zuletzt aktualisiert am 9.2.2009
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