Der Bescht

Gedicht in einem Mittelbregenzerwälder Dialekt (zur sinngemäßen deutschen Übersetzung springen)

Im "Löuo" san mor zämmoghockot,
a paar wild Hund und i;
zeescht hämmor a paar Jässle klockot,
und denn sands ku, dio Sprüh:

D'r LKW-Schafför hat gseet:
"Meor ischt dor Kran varreckt,
drum hean i hüt Zementsäck treet,
bold hett i d'Poatscho gschtreckt!"

"Ou i hett d'Gsundheit fascht vorschenkt",
seet druf dor Zeammormaa,
"bim Lupfo hean i s'Krüz vorrenkt,
dass i nüd noa ka!"

D'r Holzar seet: "I ka blöß lacho;
wenn oanar wöorgt, beos i;
i muos an halbo Wold ufmacho,
all Tag, das sand ka Schprüh!"

I hea a bitzle gschmöllolot
und mit mor denkt: "Dio Aammo!
Wenn i a klinn meh Zit blöß hett,
denn tätod s'me arbaammo."

"Du muoscht etz gär nüd so blöd gaffo,
Bürostuohlfoorzar du;
was du tuoscht, ischt ka ghörigs Schaffo!
Was bringscht etz föor an Spruh?"

"Der Bescht beon i, das kan i sägo,
di gröscht Lascht treoft wohl mih;
i muoß a gonze Firma trägo,
und lupf mor glih ka Brüh!"

Sinngemäße deutsche Übersetzung:

Der Beste

Im "Löwen" sind wir zusammen gesessen,
ein paar raue Gesellen und ich;
zuerst haben wir einige Runden gejasst ("Jassen" ist ein Kartenspiel.),
und dann ist die Angeberei losgegangen:

Der LKW-Chauffeur hat gesagt:
"Mir ist der Kran verreckt,
drum habe ich heute Zementsäcke getragen,
fast hätte ich die Patschen (Hausschuhe) aufgestellt (das Zeitliche gesegnet)!"

"Auch ich hätte die Gesundheit fast verschenkt"
sagt drauf der Zimmermann,
"beim Heben habe ich das Kreuz verrenkt,
dass ich mich nicht rühren kann!"

Der Holzfäller sagt: "Ich kann nur lachen;
wenn einer schwer werkt, bin's ich;
ich muss einen halben Wald umsägen,
jeden Tag, das sind keine Sprüche!"

Ich habe ein bisschen vor mich hin geschmollt
und mit mir gedacht: "Die Armen!
Wenn ich ein wenig mehr Zeit nur hätte,
dann würden sie mich erbarmen."

"Du musst jetzt gar nicht so blöd gaffen,
Sesselfurzer du;
was du tust, ist keine richtige Arbeit!"
Was bringst du jetzt für einen Spruch?"

"Der Beste bin ich, das kann ich sagen,
die größte Last trifft wohl mich;
ich muss eine ganze Firma tragen,
und hebe mir trotzdem keinen (Leisten-)Bruch!"


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Zuletzt aktualisiert am 28.1.2012
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