Verhaltenstipps für den Umgang mit blinden Menschen

Die folgende Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie ist aus meinen Erfahrungen entstanden:

  1. Blindheit bedeutet nicht automatisch, dass man dauernd auf fremde Hilfe angewiesen ist. Zudem hat jeder blinde Mensch seine ganz speziellen Stärken und Schwächen. Bei einem Blinden, der schnurstracks seinen Weg geht, ist klar, dass er zumindest im Moment keine Unterstützung braucht. Wie aber ist es, wenn er augenscheinlich herumirrt? Ganz einfach: Hilfe anbieten, aber nicht aufdrängen, und nicht böse sein, wenn er sie dankend ablehnt.
  2. Wie soll man eine blinde Person führen? Am besten, man fragt sie, welche Variante ihr am liebsten ist. Ich beispielsweise bevorzuge diese: Ich halte mich locker am Oberarm der Begleitperson fest und gehe einen halben Schritt schräg hinter ihr her. So werde ich auch ohne Ansage auf Stufen aufmerksam – sofern ich bei der Sache bin. Ausdrücklich nicht zu empfehlen ist, die blinde Person am Oberarm zu packen und vor sich herzuschieben!
  3. Nehmen wir an, du arbeitest an einem Fahrkartenschalter, und ein Blinder mit Begleitperson fragt dich nach dem günstigsten Ticket für 3 Tage innerhalb des Stadtgebiets – wem gibst du die gewünschte Auskunft? Richtig, dem Blinden! – Leider kommt es relativ häufig vor, dass Schalter- und Verkaufspersonal, aber auch Ärzte über den Blinden hinweg mit der Begleitperson sprechen.
  4. Wenn du dich mit einem Blinden unterhältst und Wert darauf legst, dass seine Aufmerksamkeit auf dich gerichtet bleibt, dann reicht es, nach einer Gesprächspause den ersten Satz mit seinem Namen einzuleiten, damit er sich wieder angesprochen fühlt. Wenn du ihn hingegen ständig betupfst und bezupfst und mit deinem Mund an seinem Ohr hängst, wird er früher oder später das Weite suchen.
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  5. Wenn du beobachtest, wie ein Blinder in seinem Essen herumstochert, dann besteht kein Grund zur Sorge, solange er regelmäßig etwas auf die Gabel und in den Mund bekommt. Wenn der Teller schon fast leer ist und der Blinde vergeblich versucht, mit dem Messer etwas auf die Gabel zu schieben, dann frage ihn, ob du ihm dabei behilflich sein kannst. Falls ja, wird er dir sagen, wie er sich diese Hilfe vorstellt. Keinesfalls solltest du ihm einfach das Besteck aus den Händen nehmen – du bist vermutlich auch nicht begeistert, wenn dir der Beifahrer ins Lenkrad greift ... Seine Hand zu packen, um die Gabel in Position zu bringen, ist auch nicht unbedingt empfehlenswert, außer ihr seid einander so vertraut, dass es zum Händchenhalten reicht.
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  6. Wenn du dich mit dem Auto einem Zebrastreifen näherst und dort eine blinde Person erblickst, die wahrscheinlich die Straße überqueren möchte, dann halte etwa 1 bis 2 Meter vor dem Zebrastreifen an – bei einem wesentlich größeren Abstand kann ein blinder Verkehrsteilnehmer nämlich nicht eindeutig feststellen, ob das Auto seinetwegen oder aus einem anderen Grund anhält. Überlasse dem Fußgänger, wann er die Straße überquert. Dies tut er in aller Regel, sobald er sich sicher fühlt. Treibe ihn also nicht durch Betätigen der Hupe zur Eile an; damit erschreckst du ihn nur. Es kann auch vorkommen, dass sich der Blinde wegdreht, statt die Fahrbahn zu überqueren, und zwar dann, wenn er mit der momentanen Verkehrssituation überfordert ist und abwarten möchte, bis sich der Stau aufgelöst hat. Also: Nicht ärgern, aber auch nicht wundern, wenn dieser Fall eintritt!
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  7. Du begegnest auf einem schmalen Gehsteig einem Blinden, der mit seinem Langstock pendelt und dich somit daran hindert, an ihm vorbeizukommen, ohne die Fahrbahn zu betreten. – Nun, wo ein Gehsteig ist, gibt es auch meistens Einfahrten oder Hauseingänge, in denen man abwarten kann, bis der Blinde vorbei ist. Sollte sich in zumutbarer Entfernung keine solche Möglichkeit befinden, dann ist es am besten, du bleibst stehen und bittest ihn, wenn er sich dir bis auf wenige Meter genähert hat, kurz anzuhalten, damit du ihn passieren kannst.
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  8. Die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist aus verschiedenen Gründen für blinde Menschen eigentlich nicht zumutbar, dennoch gibt es viele, die diese Herausforderung annehmen und an Bord gehen wollen. Wenn du einem allein reisenden Blinden deine Hilfe anbieten möchtest, dann frage ihn ganz einfach, ob und wie du ihm helfen kannst. Und wenn er sich nach einer Sitzgelegenheit erkundigt, mache möglichst konkrete Angaben über deren Position, damit nicht folgender Dialog entsteht: "Wo ist bitte ein Sitzplatz?" – "Hier!" – "Wo ist 'hier'?" – "Na, hier eben!" – Biete ihm an, seine Hand an die Rückenlehne des Sitzes zu führen, und sage ihm, ob dieser in Fahrtrichtung zeigt.
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  9. Du bist Busfahrer und fährst eine Doppelhaltestelle an. Beim Haltestellenschild, das sich auf halbem Weg der Busbucht befindet, steht ein Blinder. Er hat diesen Standort gewählt, weil er auf keinen Fall "seinen" Bus verpassen will – würde er sich ganz vorne an der Busbucht platzieren, könnte er einen zweiten einfahrenden Bus nicht hören. Bleibe also bitte direkt beim Blinden stehen und frage ihn nach seinem Ziel. Falls du dieses ansteuerst, lasse ihn einsteigen und lege nötigenfalls, nachdem er sich gesetzt hat, das letzte Stück bis zum vorderen Ende der Busbucht zurück. Ansonsten teile ihm mit, dass der betreffende Bus erst kommen wird.
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  10. Wenn du zu Fuß unterwegs bist und einen Blinden an einer Bushaltestelle siehst, der bei dir den Eindruck erweckt, dass er nicht auf einen Bus wartet, sondern die Straße überqueren will, dann frage ihn, welche dieser Möglichkeiten zutreffend ist, und biete ihm die entsprechende Hilfe an.
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  11. Du näherst dich mit dem Fahrrad einer Kreuzung; vor dem Zebrastreifen hat ein Auto angehalten, um einer blinden Person das Überqueren zu ermöglichen. Als verantwortungsbewusster Verkehrsteilnehmer hältst du wie das Auto vor dem Zebrastreifen an, denn erstens gilt der Fußgängervorrang auch für Radfahrer, zweitens ist ein Fahrrad im Verkehrslärm nicht hörbar und drittens kannst du nicht wissen, wann der Blinde losmarschiert – nicht auszudenken, was passieren kann, wenn er seinen Stock in die Speichen deines Rades steckt!
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  12. Wenn dir ein Blinder entgegenkommt, den du kennst und daher grüßen möchtest, gleichgültig, ob du zu Fuß oder auf dem Fahrrad unterwegs bist, dann warte damit nicht, bis du Dich mit ihm auf gleicher Höhe befindest; das kann beim Betroffenen einen ähnlichen Schrecken auslösen, wie wenn sich jemand von hinten anschleicht und "bu!" ruft! Mache dich als Fußgänger 3 bis 5 Meter vor dem Zusammentreffen bemerkbar, als Radler noch etwas früher, indem du vor dem Gruß kurz die Klingel betätigst.
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  13. Du bist auf der Suche nach einem Parkplatz, was in dicht besiedelten Gebieten ein schwieriges Unterfangen darstellt und in vielen Fällen sogar auch noch Parkgebühren kostet. Um Zeit und Geld zu sparen, ist die Verlockung groß, das Auto auf einem Gehsteig abzustellen – vor allem dann, wenn man "nur mal schnell" in ein Geschäft will. Ein Gehsteig ist aber nun einmal kein Stehsteig für Fahrzeuge, sondern soll Fußgängern und Rollstuhlfahrern eine sichere Fortbewegung ermöglichen. Vor allem blinde Verkehrsteilnehmer wissen es sehr zu schätzen, wenn Gehsteige frei begehbar sind, denn Hindernisse jeglicher Art können die Orientierung beeinträchtigen und erhöhen die Verletzungsgefahr, insbesondere wenn zum Ausweichen die Fahrbahn benutzt werden muss.
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  14. Wenn du zufällig Zeuge wirst, wie sich ein Blinder auf dem Gehsteig einer Straßenkreuzung nähert, dann lasse ihn gewähren, solange er einen sicheren Eindruck macht. Sollten Hindernisse wie Baustellen oder auf dem Gehsteig geparkte Fahrzeuge vorhanden sein, dann mache ihn darauf aufmerksam und biete ihm an, ihn zu führen, bis er wieder normale Verhältnisse vorfindet.
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Zuletzt aktualisiert am 27.12.2010
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