Die folgende Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf
Vollständigkeit, sie ist aus meinen Erfahrungen entstanden:
- Blindheit bedeutet nicht automatisch, dass
man dauernd auf fremde Hilfe angewiesen ist. Zudem hat jeder blinde
Mensch seine ganz speziellen Stärken und Schwächen. Bei einem
Blinden, der schnurstracks seinen Weg geht, ist klar, dass er zumindest im
Moment keine Unterstützung braucht. Wie aber ist es, wenn er
augenscheinlich herumirrt? Ganz einfach:
Hilfe anbieten, aber nicht aufdrängen, und nicht böse sein, wenn
er sie dankend ablehnt.
- Wie soll man eine blinde Person
führen? Am besten, man fragt sie, welche Variante ihr am liebsten
ist. Ich beispielsweise bevorzuge diese:
Ich halte mich locker am Oberarm der Begleitperson fest und gehe einen halben
Schritt schräg hinter ihr her. So werde ich auch ohne Ansage auf Stufen
aufmerksam – sofern ich bei der Sache bin. Ausdrücklich
nicht zu empfehlen ist, die blinde Person am Oberarm zu
packen und vor sich herzuschieben!
- Nehmen wir an, du arbeitest an einem Fahrkartenschalter, und ein Blinder
mit Begleitperson fragt dich nach dem günstigsten Ticket für 3 Tage
innerhalb des Stadtgebiets – wem gibst du die gewünschte Auskunft?
Richtig, dem Blinden! – Leider kommt es relativ häufig vor, dass
Schalter- und Verkaufspersonal, aber auch Ärzte über den Blinden
hinweg mit der Begleitperson sprechen.
- Wenn du dich mit einem Blinden
unterhältst und Wert darauf legst, dass seine Aufmerksamkeit
auf dich gerichtet bleibt, dann reicht es, nach einer Gesprächspause den
ersten Satz mit seinem Namen einzuleiten, damit er sich wieder angesprochen
fühlt. Wenn du ihn hingegen ständig betupfst und bezupfst und mit
deinem Mund an seinem Ohr hängst, wird er früher oder später
das Weite suchen.
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- Wenn du beobachtest, wie ein Blinder
in seinem Essen herumstochert, dann besteht kein Grund zur Sorge, solange
er regelmäßig etwas auf die Gabel und in den Mund bekommt. Wenn
der Teller schon fast leer ist und der Blinde vergeblich versucht, mit dem
Messer etwas auf die Gabel zu schieben, dann frage ihn, ob du ihm dabei
behilflich sein kannst. Falls ja, wird er dir sagen, wie er sich diese Hilfe
vorstellt. Keinesfalls solltest du ihm einfach das Besteck aus den Händen
nehmen – du bist vermutlich auch nicht begeistert, wenn dir der
Beifahrer ins Lenkrad greift ... Seine Hand zu packen, um die Gabel in
Position zu bringen, ist auch nicht unbedingt empfehlenswert, außer ihr
seid einander so vertraut, dass es zum Händchenhalten reicht.
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- Wenn du dich mit dem Auto einem Zebrastreifen
näherst und dort eine blinde Person erblickst, die wahrscheinlich
die Straße überqueren möchte, dann halte etwa 1 bis 2 Meter
vor dem Zebrastreifen an – bei einem wesentlich größeren Abstand
kann ein blinder Verkehrsteilnehmer nämlich nicht eindeutig feststellen, ob das Auto
seinetwegen oder aus einem anderen Grund anhält. Überlasse dem
Fußgänger, wann er die Straße überquert. Dies tut er
in aller Regel, sobald er sich sicher fühlt. Treibe ihn also nicht
durch Betätigen der Hupe zur Eile an; damit erschreckst du ihn nur.
Es kann auch vorkommen, dass sich der Blinde wegdreht, statt die Fahrbahn zu
überqueren, und zwar dann, wenn er mit der momentanen Verkehrssituation
überfordert ist und abwarten möchte, bis sich der Stau
aufgelöst hat. Also: Nicht ärgern, aber auch nicht wundern, wenn
dieser Fall eintritt!
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- Du begegnest auf einem schmalen Gehsteig
einem Blinden, der mit seinem Langstock pendelt und dich somit daran
hindert, an ihm vorbeizukommen, ohne die Fahrbahn zu betreten. – Nun,
wo ein Gehsteig ist, gibt es auch meistens Einfahrten oder
Hauseingänge, in denen man abwarten kann, bis der Blinde vorbei ist.
Sollte sich in zumutbarer Entfernung keine solche Möglichkeit befinden,
dann ist es am besten, du bleibst stehen und bittest ihn, wenn er sich
dir bis auf wenige Meter genähert hat, kurz anzuhalten, damit du ihn
passieren kannst.
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- Die Benutzung öffentlicher
Verkehrsmittel ist aus verschiedenen Gründen für blinde
Menschen eigentlich nicht zumutbar, dennoch gibt es viele, die diese
Herausforderung annehmen und an Bord gehen wollen. Wenn du einem allein
reisenden Blinden deine Hilfe anbieten möchtest, dann frage ihn ganz
einfach, ob und wie du ihm helfen kannst. Und wenn er sich nach einer
Sitzgelegenheit erkundigt, mache möglichst konkrete Angaben über
deren Position, damit nicht folgender Dialog entsteht: "Wo ist
bitte ein Sitzplatz?" – "Hier!" – "Wo ist 'hier'?" – "Na, hier eben!" – Biete ihm an, seine Hand an die
Rückenlehne des Sitzes zu führen, und sage ihm, ob dieser in
Fahrtrichtung zeigt.
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- Du bist Busfahrer und fährst eine Doppelhaltestelle an. Beim Haltestellenschild, das sich auf halbem Weg der
Busbucht befindet, steht ein Blinder. Er hat diesen Standort gewählt,
weil er auf keinen Fall "seinen" Bus verpassen will –
würde er sich ganz vorne an der Busbucht platzieren, könnte er
einen zweiten einfahrenden Bus nicht hören. Bleibe also bitte direkt
beim Blinden stehen und frage ihn nach seinem Ziel. Falls du dieses
ansteuerst, lasse ihn einsteigen und lege nötigenfalls, nachdem er
sich gesetzt hat, das letzte Stück bis zum vorderen Ende der Busbucht
zurück. Ansonsten teile ihm mit, dass der betreffende Bus erst kommen
wird.
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- Wenn du zu Fuß unterwegs bist und
einen Blinden an einer Bushaltestelle siehst, der bei dir den Eindruck
erweckt, dass er nicht auf einen Bus wartet, sondern die Straße
überqueren will, dann frage ihn, welche dieser Möglichkeiten
zutreffend ist, und biete ihm die entsprechende Hilfe an.
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- Du näherst dich mit dem Fahrrad einer
Kreuzung; vor dem Zebrastreifen hat ein Auto angehalten, um einer blinden
Person das Überqueren zu ermöglichen. Als verantwortungsbewusster Verkehrsteilnehmer hältst du wie das Auto vor dem Zebrastreifen an,
denn erstens gilt der Fußgängervorrang auch für Radfahrer,
zweitens ist ein Fahrrad im Verkehrslärm nicht hörbar und drittens
kannst du nicht wissen, wann der Blinde losmarschiert – nicht
auszudenken, was passieren kann, wenn er seinen Stock in die Speichen deines
Rades steckt!
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- Wenn dir ein Blinder entgegenkommt, den du
kennst und daher grüßen möchtest, gleichgültig,
ob du zu Fuß oder auf dem Fahrrad unterwegs bist, dann warte damit
nicht, bis du Dich mit ihm auf gleicher Höhe befindest; das kann beim
Betroffenen einen ähnlichen Schrecken auslösen, wie wenn sich
jemand von hinten anschleicht und "bu!" ruft! Mache dich als
Fußgänger 3 bis 5 Meter vor dem Zusammentreffen bemerkbar,
als Radler noch etwas früher, indem du vor dem Gruß kurz die
Klingel betätigst.
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- Du bist auf der Suche nach einem
Parkplatz, was in dicht besiedelten Gebieten ein schwieriges Unterfangen
darstellt und in vielen Fällen sogar auch noch Parkgebühren kostet.
Um Zeit und Geld zu sparen, ist die Verlockung groß, das Auto auf einem
Gehsteig abzustellen – vor allem dann, wenn man "nur mal
schnell" in ein Geschäft will. Ein Gehsteig ist aber nun einmal kein
Stehsteig für Fahrzeuge, sondern soll Fußgängern und
Rollstuhlfahrern eine sichere Fortbewegung ermöglichen. Vor allem blinde
Verkehrsteilnehmer wissen es sehr zu schätzen, wenn Gehsteige frei
begehbar sind, denn Hindernisse jeglicher Art können die Orientierung
beeinträchtigen und erhöhen die Verletzungsgefahr, insbesondere
wenn zum Ausweichen die Fahrbahn benutzt werden muss.
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- Wenn du zufällig Zeuge wirst, wie sich
ein Blinder auf dem Gehsteig einer Straßenkreuzung nähert, dann
lasse ihn gewähren, solange er einen sicheren Eindruck macht. Sollten
Hindernisse wie Baustellen oder auf dem Gehsteig geparkte Fahrzeuge vorhanden
sein, dann mache ihn darauf aufmerksam und biete ihm an, ihn zu führen, bis er wieder normale Verhältnisse
vorfindet.
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Zuletzt aktualisiert am 27.12.2010
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